Aus „RCS-e“ wird „Joyn“

Wie seit gestern bekannt ist bekommt “RCS-e” jetzt einen Namen, der ein wenig leichter über die Lippen gehen und sich besser vermarkten lassen soll: “Joyn”. Fragt mich bitte nicht was genau daran jetzt besser klingen soll. Ich persönlich hatte mich ja fast schon an “RCS-e” gewöhnt. Na ja, ist wohl nebensächlich.

Der neue Dienst hat jetzt jedenfalls auch eine offizielle Website bekommen. Dort wird nochmal erklärt, was es mit RC… – pardon – “Joyn” auf sich hat, welche Features dahinter stecken und so weiter. Es gibt sogar schon einen Bereich mit einem Downloadlink für Android-Geräte. Dumm nur, dass dieser bisher bloß auf android.com verlinkt.

JoynAlso ehrlich, ich bin dieser ganzen Sache gegenüber mehr als skeptisch eingestellt. Zunächst sollte man einmal hinterfragen was die Motivation der Netzbetreiber und Endgerätehersteller ist, so einen Dienst einzuführen. Aus Netzbetreiber Sicht ist das nämlich eigentlich relativ einfach zu verstehen. In Zeiten in denen Smartphones immer beliebter werden (Ende 2011 waren 23% der Mobilfunkteilnehmer in Deutschland Smartphone-Benutzer) und Kunden gerne über Instant-Messenger Apps wie z.B. WhatsApp, iMessage oder Google Talk miteinander kommunizieren, kommt die Sorge über den mittelfristigen Wegbruch des nach wie vor boomenden SMS-Geschäfts auf. Der eierlegenden Wollmilchsau der Netzbetreiber droht der Gang zur Schlachtbank. Was also tun? Ein neuer einheitlicher Standard muss her, der Geräteübergreifend all das bietet was Instant-Messenger schon lange können: Chatten, Dateien austauschen und Videotelefonate führen. Und der Kunde soll dann eben dafür zahlen – Problem gelöst.

Ich bin ja grundsätzlich immer für gemeinsame Standards im Mobilfunk. Ich möchte mir als Verbraucher keine Gedanken machen müssen welcher meiner Kontakte jetzt Skype auf dem Handy laufen hat, wer Google Talk nutzt und wer per iMessage erreichbar ist. So gesehen hat die SMS schon einen genialen Vorteil: Sie ist absolut endgeräteunabhängig. Das Smartphone von morgen kann mit dem Handy von vorgestern problemlos kommunizieren. Die Tatsache, dass dieser SMS-Standard auf der anderen Seite natürlich schon längst museumsreif (und maßlos überteuert!) ist und durch ein Nachfolgesystem abgelöst gehört, ist eine andere Geschichte.

Oder etwa doch nicht? Ist es nicht genau das, worum es bei “Joyn” geht? Die SMS abzulösen? – Ja, das mag sein. Und wie gesagt, im Ansatz ist das auch gut und richtig so. Allerdings bleibt eine ganz große Problemfrage: Ist die Tatsache, dass “Joyn” Geräte- und OS-übergreifend funktionieren soll wirklich ein Vorteil, der den Endkunden bereitwillig zahlen lässt, obwohl er Alternativen seit Jahren kostenlos nutzen kann?

Warten wir mal die Tarifgestaltung ab. Ich bin gespannt.

Print Friendly

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sicherheitsfrage: *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>