Mobiles Bezahlen via NFC: mpass funkt in Deutschland

Als ich noch in Japan war, habe ich es geliebt überall mit meinem Handy bezahlen zu können. Egal ob für’s Bahnfahren, am Kiosk, im Supermarkt und Convenience Store oder am Getränkeautomat. Schon seit vielen Jahren haben japanische Mobiltelefone standardmäßig NFC-Chips verbaut, welche mannigfaltige Services auf dem Mobile-Payment-Sektor eröffnet haben. Dank der Technikaffinität der meisten Japaner, konnte sich NFC mittlerweile zu einem Standard in Fernost etablieren, der täglich millionenfach zum Einsatz kommt. “Mobile Suica” ist wohl das prominenteste Beispiel."Mobile Suica" im Einsatz am Getränkeautomat

So, und jetzt käme eigentlich die Stelle, an der ich wieder frustriert auf Deutschland blicke. Aber ich weiß inzwischen, dass es müßig ist, sich zum wiederholten Mal gebetsmühlenartig darüber aufzuregen wie sehr Japaner uns in technischen Dingen voraus sind. Und ja, ich weiß auch, dass das hierzulande nicht alle so sehen. Aber eines ist meiner Meinung nach eindeutig: Die gute, alte German Angst hat auch dieses Technik-Thema wiedermal voll im Griff. Sie lässt die deutsche Bevölkerung wieder einmal mit erschreckender Zuverlässigkeit durch die bloße Erwähnung von theoretischen Sicherheitslücken oder potentiellen Cyberkriminellen in so tiefe Panik versinken, dass man schon fast meinen könnte, es ginge um Leben und Tod.

Genug Frust geschoben. Weiter geht’s. Und diesmal gibt es sogar gute Nachrichten zu verkünden.

mpassMobiles Bezahlen mit dem Handy geht nun nämlich auch in Deutschland! Jawohl! mpass heißt der Anbieter dahinter und vermarktet das System in Kooperation mit allen deutschen Netzbetreibern – außer dem notorischen Spielverderber E-Plus. Das ganze soll sehr simpel funktionieren: Man meldet sich einfach unter www.mpass.de kostenlos an und bekommt anschließend per Post einen NFC-Sticker zugeschickt. Diesen pappt man sich dann aufs Handy und schon ist Selbiges NFC-tauglich. Wobei man sich hier die Frage stellen muss: Was hat das ganze denn überhaupt mit dem Handy zu tun? Die gesamte “Technik” befindet sich schließlich in besagtem Sticker und funktioniert absolut unabhängig vom Mobiltelefon. Man könnte sich den Sticker auch auf die Stirn klatschen und im Laden an der Kasse mit dem Kopf auf das Terminal hauen – es würde funktionieren!

Bezahlt wird über ein Prepaid-Guthaben (oder wahlweise per Lastschrift mit einem Monatslimit von €100,-), das man vorab auf sein mpass-Konto einzahlen muss. Realisiert wird das ganze System von MasterCard. Diese Tatsache scheint übrigens noch einen versteckten “Clou” zu beinhalten: Der Sticker kommt nämlich mit einer 16-stelligen Sticker-Nummer, einer Kartenprüfnummer, einem Ablaufdatum und der Info „Name auf Karte“ daher. Das alles sind Attribute, die auch eine Kreditkarte hat. Da mpass ein Service von MasterCard ist liegt also der Verdacht nahe, dass es sich hierbei um eine vollwertige Kreditkarte auf Guthaben-Basis handeln könnte. Ob dem wirklich so ist, kann ich bis dato aber noch nicht genau sagen. Falls ich Gelegenheit dazu bekomme, werde ich es aber natürlich testen und dann hier berichten.

Der NFC-Sticker von mpass
Der NFC-Sticker von mpass

Es hat in meinem Fall übrigens ungefähr acht Tage gedauert, bis der Sticker geliefert wurde. Nach eigenen Angaben hat mpass derzeit wohl kleinere Lieferengpässe. Die Nachfrage scheint also wohl doch da zu sein – obwohl sich mir die größte Schwäche von mpass schon vor der Bestellung offenbart hat: Die wenigen Partner. So ein System kann natürlich langfristig nur erfolgreich sein, wenn sich genügend Akzeptanzstellen finden, an denen ich meinen NFC-Sticker auch zum bezahlen nutzen kann. Momentan scheint nur die Parfümeriekette Douglas das System großflächig eingeführt zu haben. Es gibt zwar noch eine Handvoll anderer Partner, diese sind – von vereinzelten McDonald’s-Filialen einmal abgesehen – aber zu unbekannt oder unbedeutend um mpass zum Erfolg zu verhelfen. Hier kann man nur hoffen, dass die German Angst in den potentiellen Partnerunternehmen überwunden und dem vielversprechenden Mobile-Payment-Angebot auch hierzulande zum Durchbruch verholfen werden kann.

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